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Geschichte

der katholischen Kirche Triptis 1948-1978


30 Jahre sind eigentlich keine lange Zeit. Wenn es aber verzwickte Zeiten sind, ja furchtbare Zeiten, wo nichts sicher, nichts mehr selbstverständlich ist. Es gab solche Zeiten, wo man heilfroh war, das eigene Leben gerettet zu haben. Von überall her kamen im und nach dem 2. Weltkrieg katholische Christen aus dem Schlesierland, dem Sudetenland, aus Ostpreußen, den ehemals deutschen Gebieten Ungarns, Rumäniens usw. in die Triptiser Gegend. Wer sollte nun diese im Gefolge der Völkerwanderung ankommenden Christen seelsorglich betreuen?

Triptis und die umliegenden Dörfer gehörten damals zur Pfarrkuratie Neustadt/Orla. Pfarrer war damals Pfr. Josef Fischer. Zu Hilfe gesandt wurde dann Herr Kaplan Dominikus Jagemann, der dann später Pfarrer in Neustadt wurde, „heute“ Pfarrer in Bickenriede/Eichsfeld.

Aber immer war noch Not, die Leute mußten religiös betreut werden. Von Neustadt aus war das nicht mehr möglich.

In Auma hatte inzwischen, Anfang 1947, Pfarrer Wieden die Betreuung der Umsiedler übernommen. Dieser hatte einen Studienfreund, der zuerst für Triptis vorgesehen war. Wegen seines Alters und seiner Kränklichkeit konnte er aber die Stelle nicht übernehmen. Pfarrer Jagemann bemühte sich weiter für Triptis einen eigenen Seelsorger zu bekommen.

Mit dem 27. August 1947 datiert, kam folgendes Schreiben an Pfarrer Jagemann aus Erfurt:

„Da sowohl mit Herrn Pfarrer Herrmann wie auch mit dem später für Triptis in Aussicht genommenen Pfarrvikar Pawlik nicht zu rechnen sein dürfte, andererseits aber doch die Besetzung von Triptis als vordringlich erscheint, möchte ich Ihnen heute bekannt geben, daß uns vom Generalvikariat in Fulda der Kaplan Alfons Smaczny, derzeit in Gebhardshain/Sieg, angeboten wurde, der wohl für Triptis in Betracht kommen könnte. Der Herr Kaplan ist am 19.05.1907 geboren und im Jahre 1934 zum Priester geweiht worden. Ich bitte nun, für den genannten Kaplan umgehend eine Zuzugsgenehmigung zu besorgen und ihm diese direkt eingeschrieben an seine Adresse zuzusenden. Ebenso wird es notwendig sein, daß Hochwürden sogleich bezüglich Zuweisung einer Wohnung die notwendigen Schritte in Triptis einleitet. Da dieser genannte Herr als Kaplan ohne Anhang ist, wird wohl die Unterbringung desselben auf keine allzu großen Schwierigkeiten stoßen. Ich bitte Sie aber, mich über den Fortgang dieser Angelegenheit informieren zu wollen.

Gez. Dr. Wenzel

Bischöflicher Komissar“

Herr Pfarrer Jagemann unternahm in Triptis 4 Tage später die notwendigen Schritte. Er betonte in seinem Schreiben: In Triptis und in der näheren Umgebung wohnen zur Zeit etwa 2.000 Katholiken. Es ist für mich auf die Dauer unmöglich, die vielen Tausende von Katholiken allein zu betreuen. An Herrn Kaplan Smaczny schrieb er u.a.: Zur Orientierung einige Angaben. Triptis ist eine Stadt von 5.000 Einwohnern, gehört zum Pfarrbezirk Neustadt/Orla und besitzt 2 evangelische Kirchen. Es wohnen dort rund 800 Katholiken, größtenteils Flüchtlinge. Von Triptis aus müssen eine Anzahl Dörfer betreut werden. Insgesamt zählen zum Seelsorgegebiet Triptis etwa 2.000 Katholiken. In 5 Außenstationen wäre Gottesdienst zu halten.Wenn Sie sich ein Fahrrad mitbringen könnten, ist es ziemlich leicht. Außerdem finden Sie eine eifrige Seelsorgehelferin vor, die jetzt an einen katechetischen Kurs in Erfurt teilnimmt.

In Triptis bekommen Sie einstweilen ein möbliertes Zimmer. Wir werden aber dafür sorgen, daß Sie demnächst eine größere Wohnung erhalten. Bringen Sie irgendwelchen Hausrat mit? Besitzen Sie einen Meßkoffer? Das Letztere wäre gut, denn von Neustadt können wir nicht alles stellen. Haben Sie eine Wirtschafterin? Beabsichtigen Sie, demnächst in Triptis einen eigenen Haushalt anzufangen? Schreiben Sie bitte auch, wann Sie zu kommen gedenken, damit die Wohnung bereitgehalten wird.

Viele herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Jagemann

In der Zwischenzeit war auch einmal daran gedacht an Seelsorge der „Weißen Väter“ 25. August 1947. Die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Leben fehlte aber, darum zerschlug sich diese Aussicht.

Die Zeit verging und Herr Kaplan Smaczny kam nicht. Sein Kommen verzögerte sich. Pfarrer Jagemann schreibt am 19.12.1947: An das Generalvikariat Fulda. Ich kann den ganzen Bezirk Triptis nicht mehr betreuen. Jeden Sonn- und Feiertag habe ich in Triptis die Heilige Messe gehalten in der Hoffnung auf baldige Hilfe. Ich kann es in dieser Form nicht mehr durchführen.

Sein Ausbleiben begründet Herr Kaplan Smaczny - und das ist ja bezeichnend für die Schwierigkeiten in jener Zeit: Zwecks Ausreise und Wegzug aus der französischen Zone ist ein Interzonenpaß unbedingt erforderlich. Einen solchen habe ich im Oktober 1947 beantragt. Einen zweiten Antrag stellte ich im November. Außerdem genüge nicht die Zuzugsgenehmigung der Zivilbehörde der Stadt Triptis. Die Zuzugsgenehmigung der russischen Behörde ist erforderlich. Wenn ich die Stelle in Triptis noch nicht übernehmen kann, so liegt dies allein an den ungeheuren Schwierigkeiten, die durch die Zonengrenzen und die jeweiligen Militärbehörden bereitet werden.

Endlich ist es soweit. Herr Kaplan Smaczny wird mit dem 8. Juli 1948 zum Seelsorger der Stadt Triptis ernannt. Die Ernennung war adressiert nach Triptis, Bahnhofstr. 1, wo der erste selbstständige Seelsorger von Triptis wohnen sollte (Böhms Villa).

Am 16. August 1948 aber zog Herr Pfarrer Smaczny in den Mittelring 1, wo ihm ein Zimmer von der Familie Ulbrich zur Verfügung gestellt wurde. Von dieser Familie wurde er auch beköstigt. Pfarrer Smaczny hielt den Sonntagsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Triptis, an den Wochentagen im Mittelring 1. Nach und nach wurde die Wohnung die des Pfarrers, so daß Andachten usw. in seinem Arbeitszimmer stattfanden, die sehr gut besucht waren. Zur Gemeinde gehörten außer Triptis noch folgende Ortschaften: Ober- und Mittelpöllnitz, Lemnitz, Leubsdorf, Traun, Miesitz, Kopitzsch, Hasla, Renthendorf, Ottmannsdorf, Schönborn, Schwarzbach, Wittchenstein, Geroda, Birkhausen, Döblitz, Gehege, Tömmelsdorf und Wüstenwetzdorf.

In die Zeit seines Wirkens fällt 1952 die erste Firmung in Triptis. Weihbischof Bolte erteilte den Firmlingen das Heilige Sakrament.

1949 und 1951 waren die Fronleichnamsprozessionen am Triptiser Marktplatz, im einen Jahr Donnerstags, im anderen Sonntags. Am 12. November 1954 aber war sein Wirken in Triptis zu Ende. Pfarrer Smaczny starb. Am 17. November 1954 wurde er auf dem Triptiser Friedhof beerdigt. Herr Dechant Heinebrodt hielt die Beerdigungsansprache. Weihbischof Dr. Freusberg aus Erfurt war ebenfalls bei der Beerdigung dabei, weiterhin viele Priester unter großer Anteilnahme der Gemeinde.

Ende Januar 1955 kam Pfarrer Krause nach Triptis. Er bemühte sich um ein eigenes Gebäude für den Gottesdienst. Unter vielen Mühen gelang es ihm für 25 Jahre ein Nebengebäude des „Mohren“ zu pachten. In diesen Gebäuden war vorher eine Werkstatt und eine landwirtschaftliche Getreidereinigungsanlage.

Im Jahr 1958 begann man schrittweise mit dem inneren Umbau. Es wurde erst einmal in der Mitte des Gebäudes ein kleiner Raum für den Gottesdienst geschaffen, der dann bis 1960 weiter vergrößert wurde. Von da an konnten auch die Sonntagsgottesdienste hier gehalten werden. An den hohen Festtagen wurde der Gottesdienst weiter in der Evangelischen Pfarrkirche gefeiert. An diesen Tagen reichte der Raum für die Gottesdienstbesucher einfach nicht aus.

1961 ging dann Herr Pfarrer Krause von Triptis nach Bermbach/Röhn. Auch er ist schon 1973 in Altötting gestorben, wohin er nach seiner Pensionierung gezogen war.

Nach Herrn Pfarrer Krause betreute die Gemeinde Triptis Herr Pfarrer Michael Sauer.

Seinem Bemühen und der Muttergemeinde Neustadt/Orla ist es zu danken, daß das

gepachtete Gebäude käuflich erworben werden konnte. Er ist auch heute unter uns.

Wir wissen seine Mühe und Zähigkeit zu schätzen. Mit der großzügigen Hilfe aus Erfurt

wurde das Gebäude erworben und im Jahr 1966 zum eigentlichen Kapellenraum.

Durch vorbildlichen Einsatz der Gemeindemitglieder und natürlich mit der Beihilfe

von Erfurt wurde ein würdiger Gottesdienstraum geschaffen.

Am Allerheiligenfest 1965 konnte das erste Heilige Opfer in der neuen Kapelle gefeiert

werden. Am 3. Fastensonntag, am 13.3.1966, fand die feierliche Kapellen- und

Altarweihe durch den damaligen Herrn Weihbischof Hugo Aufderbeck statt. Im Jahr

1971 übernahm Herr Pfarrer Sauer die Seelsorgestelle Weißensee.

Im Jahr 1968 wurde Triptis selbstständig und somit unabhängig von Neustadt.

Herr Pfarrer Vinzenz Hoppe war der neuernannte Pfarrer der Gemeinde. Mit Wirkung vom 1. September 1971. Er blieb bis zum 30. September 1974. Sein Nachfolger, aber nur für kurze Zeit, bis zum Mai 1975 war Pfarrer Georg Hülfenhaus. Danach kam Pfarrer Horst Klemm.

Wir haben, so dürfen wir ohne Übertreibung sagen, einen würdigen Gottesdienstraum, wo sich die Gemeinde immer wieder versammelt. Ein großer Dank soll heute, nach Gott, allen gelten, die sich um die Gemeinde gemüht haben.

Nicht nur sichtbar Kirche bauen, sondern oft nicht gesehene Arbeit leisten, ist wohl noch schwerer. Großen Anteil daran haben neben der ersten Helferin Frau Annelies Ulbrich auch die Helferinnen, die wir „heute“ in der Gemeinde haben! Frl. Zettelmann, heute Frau Rademacher, Frl. Rack, heute Frau Schönberner, Frau Pia Dölle, heute in Erfurt, Frau Maria Kuchenbuch in der Bundesrepublik.

Nicht vergessen sei die in diesem Jahr (1978) gestorbene Frau Elfriede Siebeneicher, die lange Zeit in Triptis Unterricht erteilte. Allen verstorbenen und lebenden Bauern und Erbauern der Gemeinde sei hiermit gedankt.

Es seien aber auch alle Glieder der Gemeinde bedankt, die in nimmermüden Einsatz immer wieder bauen halfen-auf ihre Weise.

Schon seit 1946 besteht der Chor. Am Anfang war der Leiter Herr Max Hertl. Viele Jahre hat er sich um den Chor verdient gemacht. Nach ihm hat Herr Schrodt geholfen, danach Herr Felix Rademacher. Nach langer Pause ist er wiedererstanden als Singekreis, der sich wöchentlich zur Probe triff.

Vielen, vielen Helfern müsste an dieser Stelle gedankt werden, ebenso den vielen Spendern und Betern. Ihnen allen ein von Herzen kommendes Vergelt’s Gott. Der Herr allein kann vergelten, was jeder Gutes getan hat.


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